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Die 5 Frascati-Kriterien: Der Schlüssel zur Forschungsprämie

Nicht alles, was technologisch anspruchsvoll ist, gilt als Forschung. Die fünf Frascati-Kriterien entscheiden, ob ein Projekt für die Forschungsprämie qualifiziert.

Die 5 Frascati-Kriterien: Der Schlüssel zur Forschungsprämie
Forschungsprämie02. März 20264 Min. Lesezeit

In aller Kürze

  • Die fünf Frascati-Kriterien entscheiden, ob ein Projekt als Forschung und Entwicklung gilt
  • Neuartigkeit, schöpferische Tätigkeit, Ungewissheit, Systematik und Reproduzierbarkeit müssen erfüllt sein
  • Die Abgrenzung zwischen experimenteller Entwicklung und anspruchsvollem Engineering ist in der Praxis oft entscheidend
  • Eine sorgfältige Dokumentation der Kriterien stärkt den Antrag auf die Forschungsprämie

Die österreichische Forschungsprämie ist ein starkes Instrument, setzt aber eine präzise Abgrenzung voraus. Nicht alles, was technologisch anspruchsvoll ist, gilt als Forschung und experimentelle Entwicklung (FuE). Die Grundlage für die Beurteilung bilden die fünf Frascati-Kriterien.

1. Neuartigkeit: Über den Tellerrand hinaus

Das Vorhaben muss darauf abzielen, den Stand des Wissens in einer Branche zu erweitern. Es geht um die objektive Neuartigkeit - eine Lösung, die für Fachleute auf diesem Gebiet nicht offensichtlich ist.

  • Positivbeispiel: Ein Unternehmen entwickelt ein neuartiges, biologisch abbaubares Verbundmaterial für die Luftfahrt, das extremen Druckverhältnissen standhält, für die es bisher keine Materialvorgaben gab.
  • Negativbeispiel: Die Anschaffung und Installation einer modernen Standard-Produktionsmaschine, die zwar "neu" für das Unternehmen ist, aber dem gängigen Stand der Technik am Markt entspricht. Subjektive Neuartigkeit reicht nicht aus.

2. Schöpferische Tätigkeit: Originalität statt Routine

Es müssen neue Konzepte, theoretische Modelle oder technische Lösungen entstehen. Reine Routineverbesserungen oder Standardanpassungen sind ausgeschlossen.

  • Positivbeispiel: Die Schaffung einer völlig neuen Software-Architektur zur Echtzeit-Verarbeitung von Sensordaten in autonomen Fahrzeugen, um Latenzzeiten signifikant unter das bisher Mögliche zu senken.
  • Negativbeispiel: Die bloße Fehlerbehebung (Bugfixing) in einem bestehenden Softwaresystem oder das Hinzufügen von Standardfunktionen, die mit bekannten Tools umsetzbar sind.

3. Ungewissheit: Das kalkulierte Risiko

Das Ergebnis sowie der Aufwand müssen zu Beginn ungewiss sein. Besteht die Sicherheit, dass das Projekt mit bekannten Methoden erfolgreich abgeschlossen werden kann, fehlt die FuE-Komponente.

  • Positivbeispiel: Ein chemisches Verfahren soll im Up-Scaling von der Labor-Rezeptur auf eine Pilotanlage übertragen werden. Es ist ungewiss, ob die chemische Stabilität im Großmaßstab erhalten bleibt.
  • Negativbeispiel: Die Planung eines Standard-Hochhauses nach bewährten statischen Methoden. Auch wenn das Projekt komplex ist, ist der technologische Ausgang gewiss.

4. Systematische Tätigkeit: Plan mit Methode

FuE ist ein geplanter Prozess. Alles muss dokumentiert sein - von der Hypothese über die Versuchsreihen bis zum Ergebnis.

  • Positivbeispiel: Ein strukturierter Projektplan mit definierten Meilensteinen, in dem jede Testreihe zur Optimierung einer Energierückgewinnungsanlage detailliert protokolliert wird.
  • Negativbeispiel: Eine Zufallserfindung, die durch ein Missgeschick im Labor entstanden ist, ohne dass zuvor eine systematische Fragestellung oder ein Forschungsplan vorlag.

5. Übertragbar und reproduzierbar: Wissen sichern

Die Ergebnisse müssen für andere Fachkräfte nachvollziehbar sein. Der Wissenszuwachs muss im Unternehmen dokumentiert und nutzbar gemacht werden.

  • Positivbeispiel: Ein internes Wiki oder technische Berichte, die die fehlgeschlagenen und erfolgreichen Versuchsreihen einer neuen Motorensteuerung so beschreiben, dass andere Ingenieure darauf aufbauen können.
  • Negativbeispiel: Ein Projekt, dessen Erfolg ausschließlich an das geheime Spezialwissen eines einzelnen Mitarbeiters gebunden ist, ohne dass Unterlagen zur Methodik existieren.

Experimentelle Entwicklung vs. anspruchsvolles Engineering

In der Praxis ist die Trennung zwischen experimenteller Entwicklung und industriellem Engineering oft schwierig - und genau diese Abgrenzung entscheidet häufig über den Erfolg eines Antrags auf die Forschungsprämie.

Anspruchsvolles Engineering umfasst alle technischen Arbeiten, die notwendig sind, um einen Produktionsprozess in Gang zu setzen oder ein System zum reibungslosen Funktionieren zu bringen. Wenn das Produkt im Wesentlichen festgelegt ist und das Ziel nur noch die Marktreife oder die Optimierung der Fertigung ist, handelt es sich um Engineering - auch wenn die Berechnungen hochkomplex sind.

Experimentelle Entwicklung beginnt dort, wo Engineering an Grenzen stößt. Sobald für die Lösung eines Problems neue wissenschaftlich-technologische Erkenntnisse gewonnen werden müssen oder Feedback-Schleifen zurück in die Forschung nötig sind, weil das System nicht wie erwartet funktioniert, befinden wir uns im Bereich der FuE.

  • Engineering-Beispiel: Die Anpassung einer bestehenden Förderanlage an die räumlichen Gegebenheiten eines neuen Kunden (technisch schwierig, aber methodisch bekannt).
  • Entwicklungs-Beispiel: Die Entwicklung einer völlig neuen Greifer-Technologie für diese Anlage, da die herkömmlichen Werkzeuge die spezifische Oberflächenbeschaffenheit des neuen Transportguts zerstören würden und erst experimentell ermittelt werden muss, welches Material und welcher Druck geeignet sind.

Wichtiger Hinweis: Diese Abgrenzungen sind entscheidend für das FFG-Gutachten. Besonders die Ungewissheit und die Neuartigkeit sollten sehr sorgfältig dokumentiert werden.

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